Release.
Disco//Oslo – Tyke

Disco//Oslo - Tyke

Huch? Geht hier etwa der Sänger von PASCOW fremd? Das war mein erster Gedanke beim Hören des Openers „Bis zum Hals”. Diese Stimme gehört Tenzin, dem Sänger der Oldenburger Band Disco//Oslo. Seit 2008 gibt es die Band schon und „Tyke“ ist ihr zweites Album. Benannt ist jenes nach einer Zirkuselefantendame, welche auch als Inspiration für das Cover diente. „Tyke“ wurde nämlich nach einem Amoklauf durch unzählige Schüsse regelrecht hingerichtet. Es war der letzte Versuch von angeblich einer Reihe verzweifelter Ausbruchsversuche.

Dieser Elefant muss unendlich viel Wut im Bauch gehabt haben, Wut die sich durch Quälerei und Dressur angestaut hat. Wut, die man auch in den 13 Songs spürt. Gleich in „Bis zum Hals“ bekommt man jene dann zu spüren.

Beim zweiten Song “Kunst” handelt es sich um einen astreinen Punkrocksong. Keine lyrischen Ausschweifungen, lediglich die Feststellung, dass es sich bei ihrer Musik nicht um Kunst handelt. Ihr Antrieb ist die Liebe zur Musik, nicht mehr und nicht weniger. Das ist Punkrock!

“Manifest” weckt ein wenig Erinnerungen an die grandiosen Muff Potter, die ein riesengroßes Loch hinterlassen haben, was immer mal wieder versucht wird zu stopfen. Soundtechnisch sticht dann “Leistung” ein wenig heraus, wobei es thematisch trotzdem beim Punk bleibt. Kritisiert wird die Leistungsgesellschaft, unsere Leistungsgesellschaft. Leistung ist der Schlüssel zum Erfolg, ist das alles was ihr wollt wird hier gefragt. Ein leidiges Thema, das uns alle betrifft und worüber der ein oder andere ernsthaft nachdenken sollte. Kritik wird auch geübt in “Trend”, in dem es um Online Dating und diverse Dating-Plattformen geht. Sehr zeitgemäß und sehr mutig, denn sicherlich findet sich der ein oder andere Hörer darin wieder. Im letzten Song „Kiez“ wird klar gestellt, dass ihnen die Nacht und auch noch die Stadt gehören.

Wenn man mal davon absieht, dass Disco//Oslo gewisse Ähnlichkeit mit den bekannteren PASCOW haben, liefern sie mit „Tyke“ ein modernes, starkes Album ab. Nach mehrmaligem Hören fällt das kaum noch auf, denn sie haben hier ein doch recht eigenständiges Werk geschaffen. Trotzdem fehlt mir insgesamt ein gewisser Wiedererkennungswert, um nicht Gefahr zu laufen, als bloße Kopie zu existieren. Das wäre sehr schade, denn dafür ist dieses Album einfach zu kraftvoll und intelligent.

Plattenfirma: Kidnap Music
Format: LP/CD
Wertung: 4/6 Punkten
Autor: Katja