Release.
Captain Planet – Ein Ende

Captain Planet - Ein Ende

Wer die Band schon etwas länger verfolgt, wird bei dem Albumtitel etwas hellhörig geworden sein. Während das Element Wasser für die Namensgebung der letzten drei Alben herangezogen wurde, dient jetzt weder ein Element noch eine Naturgewalt als Namensgeber. Liegt die Betonung nun auf Ende oder eher auf Ein? Aber der geneigte Captain Planet Hörer freut sich zuerst über das endlich erschienene vierte Album der Hamburger Punks. Vier Jahre sind eine lange Zeit und die Erwartungen umso größer.

Der 1.Song „St. Peter“ macht dort weiter wo Treibeis aufgehört hat. Die Stimme von Sänger Arne hat großen Wiedererkennungswert. Gewohnt metaphergeladen erschließt sich immer wieder eine neue Textzeile. Wer beim Betrachten des Covers noch keine Vorstellung hatte worum es sich thematisch dreht, dann spätestens jetzt. Gleich am Anfang wird klar, dass es ums Scheitern geht, beispielhaft dargestellt anhand einer tragischen Figur. Noch deutlicher wird das im folgenden Titel „Tulpenfarm”, in dem jeder Versuch beschrieben wird, um dann letztendlich festzustellen, doch wieder gescheitert zu sein. Eine Zeile aber hat es mir wirklich angetan: Ein Stein ist wohl geflogen – Ich weiß auch nicht, woher er kam – Ist mir doch egal! Gemeint ist wohl die mit dem Misserfolg des Einzelnen einhergehende Resignation der Gesellschaft und mit Wir meinen sie wohl diese, wenn sie sagen, dass wir alle gescheitert sind.

Eine kleine Wende gibt es dann in „Irgendwas”, ein verpackter Ratschlag, mit dem Erreichten glücklich zu sein. Also sind wir doch nicht alle gescheitert? Zumindest sollten wir aus den unzähligen Versuchen etwas ändern zu wollen, gelernt haben. Wirklich gefühlvoll wird es dann beim Hören von „Fenster im Fenster“ sprießen. Liegt es an der Situation, die sicherlich jeder bereits erlebt hat? Dieses Gefühl des Zurücklassens eines geliebten Menschen, einer geliebten Stadt oder liegt es einfach an der sehr eingängigen Melodie? Macht auf jeden Fall traurig und war der erste Titel den ich mir gleich mehrmals hintereinander anhörte.

Nicht nur das bloße Scheitern wird thematisiert, auch immer wieder Trennungen und damit das Scheitern von Beziehungen, wie eben in „Fenster im Fenster“ aber auch in „Landung“ und „Schulterschuss“. Bei jedem Song darf sich der Hörer eine Geschichte dazu malen, da die Texte meist frei aus dem Kontext heraus gegriffen sind. So fließen dann eigene Erfahrungen ein und jeder Song berührt mal mehr, mal weniger, je nach der eigenen Erfahrung. Das Album schließt mit „Vom Ende an“, wobei dieses nicht als tatsächliches Ende angesehen werden darf. Hier wird aufgeschlüsselt, was Captain Planet unter Scheitern verstehen. Ein Abschluss, ein Abschied von einem Lebensabschnitt, aus dem jeder, egal ob dieser erfolgreich verlaufen ist oder nicht, etwas mitnimmt. Sei es die Jugend oder eine beendete Beziehung, dieses Scheitern sollte als Erfahrung verstanden werden, die uns alle reicher und vielleicht auch reifer macht. Es ist eben nur ein Ende von vielen gemeint und ein Ende kann eben gleichzeitig der Anfang von etwas Neuem, Aufregendem sein.

Die Band hat hier sicherlich ihren eigenen Reifungsprozess verarbeitet, als Musiker und als Menschen. Typisch sind die vielen Metaphern, deren Bedeutung sich erst nach mehrmaligem Hören erschließt, wobei die Songs leider zeitweise textlich überladen wirken.

Trotzdem überzeugen mich Captain Planet mit „Ein Ende“ wieder einmal, wobei es aber an „Treibeis“ leider nicht heranreicht.

Plattenfirma: Zeitstrafe
Format: LP (3Versionen)/CD
Wertung: 4,5/6 Punkten
Autor: Katja