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Eigentlich sollten wir mit Claudio Sanchez, dem Sänger und Mastermind hinter Coheed and Cambria sprechen. Der ist allerdings verhindert, sodass wir uns bei Nieselregen in den Tourbus zu Zach Cooper und Travis Stever setzen. Als wir reinkommen zupft Travis an der Kordel einer Jalousie.

Travis: Das wird die Einleitung für das Interview. Pass auf…

(Er zupft einen Rhythmus, kommt allerdings nicht weit, bevor er sich verspielt.)

Travis: Ah Fuck, vorher war es perfekt.

Zach: Ja, es war perfekt.

Naja, aber es klingt doch trotzdem klasse. Aber mal im Ernst. Das neue Album ist raus. Was hat sich verändert?

(Travis reagiert erst nicht, zupft noch ein wenig weiter, dann lässt er die Kordel Kordel sein)

Travis: Äh ja, wir haben Josh, unseren Drummer zurück und wir haben Zach…Superduper.

Wie ist das denn passiert, warum ist Josh zurück?

Travis: Oh, das ist eine schwere Frage, denn darauf gibt es eine Menge Antworten. Naja, aber ich kann ja mal anfangen. Das, was mit Mic vergangenen Sommer passiert ist ( Mic wurde wegen bewaffneten Überfällen festgenommen, Anm. d. Red.) hat irgendwie die Band als Ganzes sehr erschüttert. Wir mussten uns zusammenreißen und alles neu überdenken. Ich meine, egal wie viel in der Vergangenheit auch passiert ist, das war wirklich ein harter Schlag. Wir mussten also neu anfangen. Wir haben neue Musik gemacht und dabei kam einfach raus, dass Chris und wir uns in unterschiedliche Richtungen entwickelten. Wir dachten: Okay, was machen wir jetzt? Und dann haben wir wieder Josh kontaktiert- und zwar nur als Freund, denn wir haben ihn als Freund vermisst. Wir wurden wieder gute Freunde und irgendwann haben wir gemeinsam eine Runde mit neuem Material gejammt. Ohne ihm dabei zu verraten, dass er gerade Coheed Material spielt. Wir haben ihm erzählt es wäre für Pricefire. Er hat sich bestimmt gewundert und gedacht: Warum sollte ich für Pricefire-Material jammen- aber er hat es wirklich nicht herausgefunden, bis wir es ihm gesagt haben. Und es hat irgendwie funktioniert. Wir haben gesehen, dass er sich ins Zeug legt. Und da er zum Urgestein der Band gehört… Naja und nach der Sache mit Mic haben wir uns eine Menge Bass-Spieler angehört. Sogar in der Zeit, als Chris noch in der Band war. Das war schon eine recht unangenehme Zeit für uns. Wir mussten hart und urteilend sein. Zach wurde uns dann vom Studio vorgeschlagen, in dem wir aufgenommen haben. Der Toningenieur und Co-Producer sagte: Hey, ich kenne da diesen Kerl, Zach Cooper, den solltet ihr euch mal anhören. Und weil wir die Meinung dieses Kerls wirklich schätzen haben wir uns Zach mal angehört. Er kam mit drei Leuten ins Studio und stach nicht nur technisch raus. Er wirkte wie ein Typ, der Dinge so angeht wie auch wir sie angehen würden. Eine ähnliche Persönlichkeit. Und jetzt haben wir rausgefunden, dass er jemand ist, mit dem wir sowieso rumhängen würden. Er ist eine großartige Erweiterung der Band… Entschuldige Zach, aber ich glaube ich muss jetzt an deinem Penis lutschen. (lacht)

Aber so fängt es halt mit allen neuen an. Coheed ist wie ein Schneball, der immer größer wird. Man entwickelt sich musikalisch, emotional, blablabla. Josh hat ja nicht einfach aufgehört zu spielen, nachdem er nicht mehr bei uns war. Er hat weiter Musik gemacht und bringt neue Erfahrungen mit und Zach bringt ein ganz neues Leben ein. Sie wurden zu diesem großen rollenden Schneeball hinzugefügt.

Zach, ist es eine Ehre für dich, bei Coheed and Cambria zu spielen?

Zach: Absolut, es eine große Ehre für mich hier zu sein.

Was hast du denn vorher so gemacht?

Zach: Ich habe in einer Menge kleinerer Bands gespielt. Niemals auf diesem Level. Ich habe noch nie in einem Bus getourt. Immer in einem Van und Trailer oder so. Aber es ist nicht nur das Touren und die großen Auftritte. Es ist eine Ehre mit den Jungs hier befreundet zu sein, abzuhängen naja, halt einfach Bros zu sein. Ich darf große Auftritte spielen und mit meinen Freunden abhängen. Das ist das Coolste.

Wie stark seid ihr eigentlich in die Entwicklung der Geschichte von Coheed and Cambria involviert?

Travis: Wir? Gar nicht.

Gar nicht?

Travis: Wir sind ein Teil von Claudios Leben. Das ist aber auch das Einzige, was ich sagen kann. Es gibt so viele Situationen aus dem Leben, die in die Geschichte einfließen. Aber eigentlich ist es Claudios Baby. Story und Text, komplett.

Aber ihr helft bei der Musik, oder?

Travis: Ja klar, wir beteiligen uns alle an der Musik

Kommt er dann mit den Texten und sagt: Hey ich brauche hier…

Travis: Nein, nein. Er hat schon die Struktur des Songs im Kopf und dann bringt die Band noch etwas dazu.

Also ist nicht ALLES Claudios Werk?

Travis: Nein, jeder übernimmt hier seinen Teil. Er wäre der erste, der das sagt. Es war von Anfang an so, dass Claudio den Plan hatte, wo er mit den Songs hinwollte. Er kannte das Konzept. Und das war sehr von seinem realen Leben beeinflusst. Ich weiß woher diese Dinge kommen, denn ich war auch Teil davon. Viel hatte mit der Band zu tun.

Glaubt ihr, dass es möglich ist, ein Album ohne dieses Konzept zu schreiben?

Travis: Definitiv. Aber diese Frage stellt er sich wahrscheinlich nicht. Sein Leben steckt da ja drinnen. Er kann sein ganzes Leben in dieses Universum stecken, ohne sich zu sehr seelisch auszuziehen. Wenn ich texte neige ich dazu, alles über mich preiszugeben. Aber das lässt wenige Geheimnisse. Ich glaube die Fans von Coheed wollen miträtseln, was in seinem Kopf vorgeht und tun dies durch das Universum. Nichts gegen Texter, die direkt erzählen, was in ihren Köpfen vorgeht. Wenn sie das tun und einen berühren kann das wirklich gut sein. Wenn sich jemand aber ein verrücktes Universum ausdenkt kann das auch sehr gut sein. Beide Arten zu texten haben etwas. Und Coheed-Fans mögen es eben, in ein Universum abzutauchen. Aber die Leute können unsere Musik auch hören, ohne sich einen Scheißdreck um das Konzept zu scheren. Wir sind eine Rockband und auch Claudio mag es, ein Rockmusiker zu sein. Egal, was für Musik wir machen, wir mögen es sie zu spielen.

Habt ihr denn auch selber die Chance zu texten?

Travis: Ich mach es ja. Und ich bin mir sicher Zach macht es auch.

Zach: Ja klar.

Travis: ich habe da ein Projekt und werde in ein paar Monaten meine Aufnahmen veröffentlichen. Das ist eben Coheed and Cambria und das sag ich nicht nur um die Pussys abzustauben.

Zach: Guckt euch meine neue Scheibe an!

Travis: Ja, guckt sie euch an! (beide lachen) Bei Coheed war es immer schon so, dass jeder noch andere Projekte hat. Auch Claudio hat mit Pricefighter Inferno eine Band, die ihn aus dem rausholt, was Coheed ist. Eigentlich macht jeder immer irgendwas.

Und jetzt kommt der nächste große Schritt. Mark Wahlberg will die Geschichte verfilmen.

Travis: Ja, das ist die letzte Neuigkeit. Claudio und er haben sich zusammen getan. Ist gerade einmal einen Monat her, dass das raus ist.

Aber ihr werdet keinen Einfluss auf den Film haben?

Travis: Persönlich?

Ja

Travis: Nein gar nicht.

Und als Musiker?

Travis: Wenn es etwas zu aufnehmen gibt, dass mit Coheed zusammen hängt, dann natürlich. Dann ist die Band involviert. Das wäre natürlich genial.

(Josh kommt rein, sieht sehr verschlafen aus.)

Josh: Was geht hier ab?

Travis: Oh das hier ist eigentlich dein Interview, aber wir haben dich schlafen gelassen. Willst du mitmachen?

Josh: Ne, lass mich nur kurz mein Zeug zusammenpacken.

Travis: Geht’s dir nicht gut?

Josh: Ich fühl mich scheiße, wie jeden Morgen. Bin erst um halb acht ins Bett gegangen. Ich konnte nicht einschlafen.

(Josh räumt sein Zeug zusammen und verschwindet wieder)

Sex, Drugs and Rock’n’Roll, ja?

Travis: (lacht) Ja. Filme, Schlafen und Rock’n’Roll.

Zach: Ja, das ist es so ziemlich.

Guckt ihr viele Filme?

Travis: Ja, tatsächlich. Wir haben eine Menge Filme.

Gibt es da momentan einen Favoriten?

Travis: Jetzt gerade? Ich glaube wir mögen alle Prometheus. Moonrise Kingdom war auch gut.

Zach: Oh ja, den hab ich auf dem Flug geguckt. Ich hab auch Rock of Ages geguckt und der war fürchterlich.

Travis: Rock of Ages war genial! (lacht laut auf) Ich glaube da ist die Band getrennter Meinung.

Zach: ja, ich glaube du mochtest ihn auch nicht, oder?

Travis: Ich hasse ihn!

Zach: Aber Josh und Claudio lieben den Film.

Erinnerst du dich eigentlich an deine Probeaufnahmen?

Zach: Ja, es war cool aber ich war auch ziemlich nervös. Claudio hat mir eine Liste mit Songs geschickt, die ich lernen sollte. Und die Probeaufnahmen fanden dann nicht mal 20 Minuten von meinem Zuhause statt. Das war natürlich gut. Wir haben über zwei Wochen aufgenommen und ich hatte die Songs vorher noch nie mit ihnen gespielt und war gespannt, was ich richtig mache.

Wie hast du die Songs denn gelernt. Hast du Akkorde bekommen?

Zach: Nein, ich habe sie rein nach Gehör gelernt. Naja gut, für die wirklich komplizierten Nummern habe ich mir die Anleitungen besorgt.

Travis: Betrüger! (lacht)

Zach: (lacht) Ich musste es mir einfach mal anschauen. Da gab es ein paar echt komplizierte Stellen, die ich nur mit Hören einfach nicht nachmachen konnte.

Travis: Aber es klingt wirklich gut, weil das Zeug hat nicht mal Mic gespielt. Jetzt klingt es so wie auf den Aufnahmen. Du bringst deinen eigenen Anteil, bist gleichzeitig aber nah am Album. Und glaub mir: Es gibt Lieder, die wurden früher live komplett anders gespielt. Das ist nichts schlechtes, aber nicht so mein Fall.

Klingt ihr denn jetzt anders?

Travis: Ja, ich glaube wir klingen besser, als wir es jemals taten. Wir geben jetzt mehr Acht auf kleine Details. Zum Beispiel Hintergrundgesang.

Zach: Das hat mich bei der ersten Probe auch sehr nervös gemacht. Ein, zwei Tage vor der Probe wurde mir mitgeteilt, dass ich auch singen musste. Und ich dachte mir: Oh mein Gott, das war es. In meinen bisherigen Bands hatten wir schlechte Ausrüstung und ich konnte mich selbst nie hören. Wir haben laut und schnell gespielt. Und jedes Mal, wenn ich singen sollte, war ich total außer Atem und hab mich so angehört (er jammert und kreischt ein wenig). Ich habe einfach immer geschrien. Und ich hatte einfach gar kein Selbstvertrauen. Ich dachte: Na toll, jetzt stellen sie hier ein Mikro hin. Ich habe verloren.

Travis: Aber es hat dann ganz gut funktionier.

Zach: Ja, hat es. Überraschenderweise.

Und mochtest du Coheed bevor du für sie gespielt hast?

Zach: Oh ja, ich mochte sie. Wir kommen aus derselben Gegend und Freunde haben mich auf sie gebracht. Ich kannte aber lange Zeit das ganze Konzept nicht. Und hab gesagt: Ach, scheiß auf das Konzept. Ich war ein großer Fan.

(Josh kommt erneut rein)

Josh: Haben wir irgendwie Zeit verloren? Habe ich echt so lange geschlafen?

Zach: Nein, aber ich habe auch bis 14 Uhr geschlafen.

Schlaft ihr immer so lange?

Travis: Nein, wir haben den totalen Jetlag, weil wir erst vor zwei Tagen hier angekommen sind. Wir werden uns dran gewöhnen und dann geht es direkt wieder nach Hause.

Josh: Normalerweise hasse ich es lange zu schlafen und stehe immer früh auf. Der Jetlag ruiniert mir meinen Tag.

Zach: Ich hab aber gute Nachrichten: Unser Kaffee ist hier.

Was können wir vom zweiten Teil eures Doppelalbums erwarten?

Travis: (fängt wieder an, an der Kordel der Jalousie rumzuzupfen) Hört ihr das? Das wird auf dem Album sein.

Zach: Ein dramatischer Wandel in der Band. (lacht) Ich freue mich aber wirklich sehr darauf. Es ist vergleichbar mit dem ersten Teil. Ein Teil ist klassisch Coheed, ein anderer Teil ist ein wenig experimenteller.

Travis: Aber auf eine gute Art.

Zach: Es vervollständigt The Afterman. Es vervollständigt die Geschichte. Das Ende von Ascension hört sich an, wie ein Cliffhanger. Und Descension geht genau da weiter.

Travis: Es wurde ja auch zur selben Zeit aufgenommen.

Warum habt ihr das Album überhaupt getrennt?

Travis: Für diesen Cliffhanger. Wir wollten, dass die Leute ein wenig warten müssen. Es ist auch eine Menge Material. Es ist nicht so, dass wir nicht eine Menge weggeschmissen hätten. Wir wollten nicht unbedingt alles reinkriegen. Aber es hat halt gepasst. Und wenn eine Band viel gutes Material hat, warum sollte sie das wegtun?

Aber wenn ihr live spielt, spielt ihr nur aus Ascension?

Travis: Momentan ja. Wenn wir nächstes Jahr dann wieder kommen auch anderes. Wir haben zwar schon ein paar Songs gespielt. Aber es ist schwierig. Die Leute mögen es schon, aber wenn sie es nicht kennen, ist es immer schwierig.

Zach: Wir haben einen Song schon seit Mai im Gepäck, Century oft he Defiant, und uns dann erst dazu entschlossen, es auf den zweiten Teil zu tun.

Aber macht es nicht mehr Sinn, auf einem Konzert dann ein Album- also einen Teil der Geschichte- durchzuspielen?

Travis: Ne, das wollen wir den Zuhörern nicht antun. Du willst als Fan einfach auch immer die alten großen Nummern hören. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen. Wenn die Band nur ihre aktuelle Platte durchspielt, fehlt einfach irgendwas.

Na dann. Und jetzt noch als letztes. Was haltet ihr davon, dass Disney Lucasarts gekauft hat?

Zach: Ist doch gut, vielleicht hauchen die Star Wars wieder richtig gut neues Leben ein.

Also mögt ihr Star Wars?

Zach: Wer tut das nicht?

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